Was ist Narzissmus?
In diesem Blogartikel werden wir uns mit der Variable Narzissmus beschäftigen und wie dieses psychische Phänomen einen Einfluss auf die Beziehung zu dir und zu anderen aufweisen kann. Das Wort Narzissmus kommt von dem altgriechischen Narkissos und bedeutet umgangssprachlich so etwas wie
„Selbstverliebtheit“ oder „Selbstbewunderung“. Vielleicht hast du schon von dem griechischen
Mythos von Narziss gelesen, welcher sich in sein eigenes Spiegelbild verliebt und dann bei dem Versuch es zu küssen ins Wasser fällt und ertrinkt. Wir denken oft wenn es um Narzissmus geht an aufgeblasene Social-Media Persönlichkeiten wie Donald Trump oder Leute die täglich hunderte Fotos von sich machen und diese bei Instagram posten. Doch Narzissmus ist viel mehr als nur ein Selbstbeweihräuchern oder ständige Beschäftigen mit seinem Aussehen. Zuerst muss man dieses Phänomen in zwei Aspekte unterteilen, nämlich einmal den klinischen Narzissmus als solches und den sub-klinischen auch unter „Alltags-Narzissmus“ bekannt. Narzissmus an sich ist erstmal weder gut noch böse, da es sich um einen Abwehrmechanismus handelt, welchen wir Selbst tagtäglich verwenden, um Konfliktsituationen zu vermeiden oder uns mehr aufzuwerten, um unseren Willen, Bedürfnisse und Absichten in unserm Alltag durchzusetzen. Ich sage immer in meinen Youtube-videos, das Narzissmus ein Selbstwertgefühl auf Raten ist, da man sich selbst nicht eingestehen möchte, das man traumatische und Unzulänglichkeitsgefühle in sich trägt und diese lieber verändern sollte. Man baut sich ein falsches Selbst auf, wie eine Art Avatar und versucht sich die Lüge selbst einzureden, das man dieses fremde Selbst ist. Jeder ist auf seine Art Narzisstisch, der eine mehr der andere weniger. Dies reicht vom Spektrum von der wiederholten Selbstlüge (sub-klinischer Narzissmus) bis hin zur wirklichen Persönlichkeitsstörung (nach ICD-10 F60.8 „sonstige spezifische Persönlichkeitsstörungen“). Wichtig ist noch zu nennen, das Narzissmus nicht immer ein aufgeblasenes Selbst darstellen muss, welches ständig im Mittelpunkt stehen möchte, sondern das auch eher unscheinbare Persönlichkeiten, die sich eher in der „Opfer-rolle“ sehen und inszenieren eine Rolle des sogenannten „verdeckten Narzissmus“ erfüllen können. Diese Menschen manipulieren genauso vehement ihre Mitmenschen, wie es „Größen-selbst“ Narzissten tun, jedoch tun sie dies eher „unter dem Radar“ und subtiler. Man kann also sagen, das jeder Mensch bis zu einem gewissen Grad narzisstisch ist und handelt. Die Frage ist jedoch, inwiefern man dieses Verhalten kultiviert oder sich selbst seine Unzulänglichkeiten eingesteht und an diesen arbeitet. Genau das ist tiefgreifende Transformation und persönliche Entwicklung.
Toxische Beziehung – Wenn der Narzisst auf den “Empathen“ trifft
Ein weit verbreiteter Mythos auf den ich immer wieder stoße ist, das der „Empath“ auf den „Narzissten“ trifft und so eine toxische Beziehung entsteht. Eine ungesunde Beziehung wird dadurch charakterisiert, das ein Partner in der Bindung ständig die Bedürfnisse des anderen versucht zu erfüllen und der Gegenpart sich erfüllen lässt ohne in Revanche zu gehen. Man kann auch sagen, das eine toxische Beziehung dann anfängt, wenn man die Fähigkeit verliert die Beziehung zu verlassen. Mir sträuben sich die Nackenhaare wenn ich lese, das der „Empath“ frei von Narzissmus wäre und nur ein Opfer des diabolischen und bösen „Narzissten“ wäre. Viele Coaches oder selbst ernannte Beziehungstherapeuten verstärken auf diese Weise die Opferrolle und Verantwortlosigkeit der Betroffenen und klären nicht hinreichend auf. Schaut man sich jedoch die Psychologie an oder die Forschungsarbeiten des Psychiaters und Psychotherapeuten Hanz-Joachim Maaz, so wird man schnell einsehen müssen, das Narzissmus immer in beide Richtung in einer Beziehung gehen kann. Wir haben im Volksmund oft die Vorstellung, das Narzissmus oder Narzissten immer die unerreichbaren aufgeblasenen Verführer darstellen, welche angebetet werden wollen. Jedoch kann die Selbstentfremdung des Narzissmus auch Menschen betreffen, die eher zurückgezogen sind, sich klein machen und sich eher verwundbar in einer Opferrolle histrionisch inszenieren. Man spricht hierbei vom „Größen-selbst-Narzisst“ und dem „Klein-Selbst-Narzisst“, welche sich gegenseitig in der toxischen Beziehung neurotisch aufladen. Man findet in dieser Konstellation oft jemanden der angebetet wird (Größen-Selbst-Narzisst) und den anderen Part, welcher anbetet (Klein-Selbst-Narzisst). Sowohl das angebetet werden als auch das anbeten erfüllt hier eine narzisstische Aufladung der Beteiligten.
„Wenn der König Komplimente für sein Aussehen bekommt, so erhält der Bauer durch das Kompliment machen auch eine indirekte Schmeichelung, da er ja der Auserwählte ist mit dem der König Kontakt haben möchte
Diese „Narzisst-Co-Narzissten“ Kollusion lässt sich psychologisch gut mit den 4 Bindungstypen von Ainsworth und Bowlby abbilden. Diese lauten wie folgt:
- A: Unsicher-vermeidend
- B: Sichere Bindung
- C: Unsicher-ambivalent
- D: Unsicher-desorganisiert
Grob kann man sagen, dass Menschen in toxischen Beziehung sich nicht in einem sicheren erworbenen Bindungsstil befinden, sondern eher sich im Wechselbad zwischen Bindungsstil C und D befinden. Diese beiden Bindungsstile charakterisiert ein geringes Explorationsverhalten in der Kindheit, ein starkes fixieren auf die Bindungsperson bzw. wenig bis kaum Vertrauen in andere Menschen, sowie starke Wutanfälle bei Frustrierung und die Tendenz zu Suchtverhalten. Der Mythos des „Empathen“ kann dadurch widerlegt werden, da Menschen mit dieser Selbstbeschreibung oft ihre „Fürsorglichgkeit bis hin zur Aufgabe für andere“ unteranderem auch als „Emotional Intelligent“ beschreiben. Schaut man sich jedoch die Merkmale von Empathie an, so stellt man schnell fest, das Empathie nicht nur auf einer kognitiven Komponente stattfindet wie „Ich sehe das du traurig bist“, sondern auch eine Gefühlskomponente enthält „ich spüre das du traurig bist“. Führt man nun die oben genannten Bindungsstile hinzu, so bemerkt man schnell, das Menschen mit dieser Ausrichtung oft auch eine niedrige Mentalisierungsfähigkeit aufzeigen, was bedeutet, das sie ihre eigenen Impulse, Gefühle und Zugänge nicht richtig wahrnehmen und diese von anderen unterscheiden können. Somit haben Menschen in diesen Beziehungen eher einen Zugang zu den kognitiven empathischen Komponenten als zu den Dimensionen der „Gefühls-Empathie“.
„Wenn ich selbst meinen eignen Gefühlshaushalt und innere Ausrichtung nicht erkennen und balancieren kann, wie kann ich dann verlangen, das ich dies bei anderen Menschen dann zweifellos erfülle?
Zudem bleibt zu sagen, das ich nicht ausreichend „Empathisch“ oder „Emotional Intelligent“ bin nur weil ich ein intensives Gefühlsleben in mir wahrnehme und dieses vielleicht durch starke Emotionalität äußere, sondern das das zuordnen und regulieren meiner eigenen inneren Impulse und Gegebenheiten mich erst zu einem Erwachsenen Individuum macht, welches in Kontakt mit anderen Menschen treten kann ohne sich aufzugeben oder andere mit gut gemeinten Hilfestellungen überschütten wird. Abschließend gilt es zu sagen, das es für den „empathischen“ Teil der toxischen Beziehung wichtig ist, sich auch einzugestehen, das er oder sie auch narzisstische Tendenzen hat und durch eigene Bewusstmachung sich transformieren und dann in eine gesunde und harmonische Liebesbeziehung treten kann, denn diese sehe ich als Grundrecht für jeden Menschen an.